Augen sehen alles – außer, was ihnen fehlt

Michaela Altenberger,

Prävention der Augengesundheit: Was wirklich hilft, bevor es zu spät ist

Wir investieren in Kollagen-Drinks, Magnesium-Komplexe und adaptogene Pilze aus dem Schwarzwald. Aber die Augen? Die kriegen höchstens eine neue Sonnenbrille. Dabei sind sie das sensibelste und aktivste Sinnesorgan, das wir haben und gleichzeitig das am meisten vernachlässigte, wenn es um gezielte Prävention geht.

Kurzsichtigkeit, Makuladegeneration, digitale Augenermüdung: Das sind keine Zufälle. Das sind die Quittungen für ein Leben voller Bildschirme, Innenlicht und fehlendem Nährstoff-Input. 

Was die Makula wirklich braucht: Lutein & Zeaxanthin

Lutein und Zeaxanthin sind Carotinoide – pflanzliche Pigmente, die der menschliche Körper nicht selbst herstellt. Sie reichern sich ausschließlich in der Makula an, dem Bereich der Netzhaut, der für scharfes Sehen, Lesefähigkeit und Farbwahrnehmung verantwortlich ist. Dort bilden sie zusammen das sogenannte makuläre Pigment – eine Art interne Sonnenbrille, die hochenergetisches blaues Licht filtert und oxidativen Stress abpuffert.

Was die Studien zeigen: Die AREDS2-Studie (Age-Related Eye Disease Study) hat gezeigt, dass 10 mg Lutein und 2 mg Zeaxanthin täglich das Fortschreiten einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) signifikant verlangsamen. 

Und im Alltag? Wer viel auf Bildschirme schaut (also alle), braucht ein dichtes makuläres Pigment. Blaues Licht macht genau das, wovor LEDs und Bildschirme warnen sollten: es degeneriert Photorezeptoren, wenn der antioxidative Schutz schwächelt.

Nahrungsquellen: Gekochter Grünkohl (der absolute Spitzenreiter), Spinat, Mangold, Eigelb (hochbioverfügbar!), Paprika, Mais. Das Problem: Die typische westliche Ernährung liefert durchschnittlich 1–2 mg Lutein täglich. Therapeutisch relevant sind 10 mg. Den Rest muss ein gutes Supplement liefern. Qualitätsmerkmale: Extrakt aus Studentenblume (Tagetes erecta), kombiniert mit Zeaxanthin, idealerweise in einer fettlöslichen Trägermatrix (z.B. mit Olivenöl oder MCT-Öl, da Carotinoide fettlöslich sind – ohne Fett kaum Absorption).

Omega-3: Nicht optional

Die Retina enthält eine der höchsten Konzentrationen von DHA (Docosahexaensäure) im gesamten Körper. DHA ist essenziell für den Prozess, der Licht in Nervenimpulse umwandelt. Omega-3-Mangel erhöht das Risiko für trockene Augen, Makuladegeneration und altersbedingte Sehverschlechterung.

Dosierung: Mindestens 1.000 mg EPA+DHA täglich, besser 2.000 mg bei bestehendem Mangel. Und wer lieber pflanzlich supplementiert: Algenöl ist die direkteste Quelle. 

Zink: Der stille Enabler
Zink ist der Kofaktor für mehrere Enzyme in der Retina und notwendig für den Vitamin-A-Transport. Ohne ausreichend Zink kann der Körper kein Retinal aus gespeichertem Retinol mobilisieren. 

Dosierung: 15–25 mg täglich (Zinkmethionin oder Zinkbisglycinat für bessere Verträglichkeit, kein Zinkoxid).

Augentraining: Was wirklich funktioniert – und was nicht

20-20-20-Regel (täglich : Alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf ein Objekt 20 Fuß (ca. 6 Meter) Entfernung schauen. Das entspannt die Ziliarmuskulatur, die bei Naharbeit dauerangespannt ist. 

Sakkaden-Training: Blicke schnell und bewusst zwischen verschiedenen Punkten im Raum hin- und herbewegen. Das trainiert die Muskeln und die Koordination beider Augen. Gut bei Konvergenzschwäche und nach langer einseitiger Bildschirmarbeit.

Fokus-Wechsel: Abwechselnd einen nahen Punkt (z.B. Fingerkuppe in 30 cm) und einen fernen Punkt (Fenster, Horizont) anvisieren, je 5–10 Mal wiederholen. 

Augenpalming: Augen schließen, leicht erwärmte hohle Handflächen drüberlegen (kein Druck auf den Augapfel). 2–3 Minuten. Senkt den Tonus der Augenmuskulatur. Komplette Dunkelheit entspannt das visuelle System aktiv.

Das Wichtigste

Augenvorsorge beginnt mit 30, nicht mit 60. Makuladegeneration, Glaukom und Katarakt entwickeln sich über Jahrzehnte – still, ohne Schmerzen, ohne frühe Warnsignale. Bis das Sehen sich verändert, ist der Schaden oft bereits fortgeschritten.
Einmal jährlich zur augenärztlichen Kontrolle gehört ins Prävention -Programm.

Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Sehveränderungen immer zeitnah einen Augenarzt aufsuchen.

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